Sie sind hier: Helfer-vor-Ort

Ansprechpartner

Dieter Steinbrunner

Tel: 08121 76442
info[at]brkpoing[dot]de

Friedensstraße 1a
85586 Poing

Wir feiern 20-Jahre HvO Poing

Foto: BRK-Poing

In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, am 4. April 1996, war es soweit. Der „Helfer-vor-Ort“ (HvO) Poing startete seinen Regelbetrieb. Damals noch als „Schnell-Einsatz-Gruppe“ bezeichnet, begannen die Kollegen Dieter Steinbrunner und Thomas Stolle ihren Dienst über die Osterfeiertage.

Initiiert und aufgebaut von Dieter Steinbrunner gehörte die Poinger BRK Bereitschaft mit zu den Ersten, die ein derartiges Ersthelfersystem etablierten. Heute sind unzählige ehrenamtliche Ersthelfergruppen aktiv, organisiert von den unterschiedlichsten Hilfsorganisationen und Feuerwehren.

Auch wenn es durchaus ein wenig Zeit erfordert hat, bis wir von allen Beteiligten als das anerkannt wurden, was wir sind: Eine Erweiterung der Rettungskette mit dem Ziel, noch früher effektiv zu helfen.

Seit diesem 4. April 1996 ist viel geschehen. Zu rund 5300 Einsätzen wurde der „Helfer vor Ort“ in dieser Zeit alarmiert. Jedes Mal rückten die Poinger Ersthelfer aus, um qualifizierte Sofortmaßnahmen zu ergreifen. Nicht selten konnte durch ihren Einsatz Leben gerettet werden.

Aber auch traurige, seltsame und teilweise sehr belastende Einsätze waren zu bewältigen. Besonders Einsätze mit Kindern und Hinterbliebenen fordern unsere Helfer psychisch wie physisch. Hier sind Einsatz-nachbesprechungen besonders wichtig, um Belastungsreaktionen frühzeitig erkennen zu können. Glücklicherweise gibt es mittlerweile bei Bedarf auch professionelle Hilfe für die Helfer.

Manchmal ist das ganze Arsenal moderner Notfallmedizin notwendig um einem Patienten zu helfen. Und manchmal reicht es, dass Gefühl zu vermitteln, dass jemand da ist um die Situation gemeinsam zu ertragen. Mitgefühl und Menschlichkeit sind die wichtigsten Werkzeuge für unsere Tätigkeit. Das war 1996 schon so und könnte in diesen Tagen nicht aktueller sein. Wir sind stolz auf 20 Jahre "Helfer vor Ort" und das damit verbundene ehrenamtliche Engagement.

Dieter Steinbrunner & Thomas Stolle absolvierten die erste HvO-Schicht
Foto: Seb. Nafe BRK-Poing

Gleichzeitig bedanken wir uns bei den vielen Helfern und Unterstützern, die dieses System mit Leben und Zukunft erfüllt haben.

In erster Linie Dieter Steinbrunner, der die Vorteile einer Ersthelfergruppe schon sehr früh erkannt hatte und sich dafür stark machte. Teils nicht unerheblich war der Widerstand auf den unterschiedlichsten Ebenen. Selbst die Einführung der Frühdefibrillation, heute eine Standardmaßnahme bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand, wurde damals müde belächelt. Dieter Steinbrunner konnte sich, zum Wohle der Poinger Bevölkerung, glücklicherweise durchsetzen. 

 

Auch der Gemeinde Poing gilt unser Dank. Mit ihrer Unterstützung und der vieler Poinger Vereine und Privatpersonen konnten u.a. unser Garagenneubau 2003 realisiert werden. 

Im Weiteren danken wir der Geschäfts- und Kreisbereitschaftsführung im BRK Kreisverband Ebersberg. Wir können als Bereitschaft nicht alleine für Unterhalt von Garage und Einsatzfahrzeug, Einsatzkleidung, Gerätschaften, Ausbildung und Verbrauchsmaterial aufkommen. Insbesondere deshalb, da unsere Einsätze für Krankenversicherungen und Patient kostenlos sind. Hier erhalten wir großartige Unterstützung.

Die wichtigste Säule des HvO sind aber deren aktiven Einsatzkräfte. Sie opfern ihre Freizeit und oftmals ihren Nachtschlaf um ehrenamtlich Menschenleben zu retten. Wir freuen uns auf die nächsten 20 Jahre HvO-Poing. Mit all seinen Unwägbarkeiten und Herausforderungen.

Wer an einer ehrenamtlichen Mitarbeit im BRK Poing interessiert ist, ist herzlich willkommen. Die notwendige Ausbildung und Ausrüstung wird von der Bereitschaft zur Verfügung gestellt.

Interessierte können sich beim nächsten Bereitschaftsabend am 18. April oder über die E-Mail-Adresse info[at]brk-poing[dot]de informieren.

Helfer vor Ort (HvO)

Foto: Nafe BRK-Poing

"Helfer vor Ort" bedeutet schnelle erste Hilfe in Poing und Umgebung durch speziell geschulte Einsatzkräfte des BRK Poing. Sie sind ein zusätzliches Glied in der Rettungskette. Gut ausgebildete, ehrenamtliche Helfer unserer Bereitschaft überbrücken die therapiefreie Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes oder Rettungsdienstes.

Das bedeutet: Unsere Helfer werden bei Notarzt- und teilweise auch Notfalleinsätzen zusammen mit den Kräften des Rettungsdienstes alarmiert und können dadurch noch früher lebensrettende Maßnahmen ergreifen. Zu diesen Basismaßnahmen gehören unter anderem die Herz-Lungen-Wiederbelebung in Verbindung mit der Frühdefibrillation, blutstillende Maßnahmen sowie die Betreuung von Patienten. Zudem geben die Einsatzkräfte frühzeitig eine Lagemeldung an die Leitstelle und können bei Bedarf zusätzliche Kräfte nachalarmieren.

Nachdem der Rettungsdienst am Einsatzort eingetroffen ist, erfolgt eine Übergabe des Patienten an den behandelnden Rettungsassistenten oder Notarzt.

Im Weiteren stehen unsere Einsatzkräfte dem Rettungsdienst bei der Patientenversorgung und der Verbringung in den Rettungswagen unterstützend zur Verfügung. Auch sorgen wir z.B. für den Transport der Hubschrauberbesatzung zur Einsatzstelle, wenn der Hubschrauber nicht direkt dort landen kann.

Zudem sehen wir die Betreuung von anwesenden Angehörigen und Betroffenen als unsere Aufgabe.

Besatzung des RTH Christoph 1 beim Rettungseinsatz mit der Winde

Foto: S. Nafe

Dienstzeiten

Wir sind in der Zeit von Freitag 16 Uhr bis Montag 6 Uhr durchgehend einsatzbereit. Während der Woche, stehen wir der Leitstelle jeweils von 18 Uhr bis 6 Uhr zur Verfügung. Auch außerhalb unserer festen Meldezeiten werden wir von der Rettungsleistelle Erding alarmiert, wenn es das Notfallereignis erforderlich macht. Besetzt wird unser Einsatzfahrzeug immer von zwei besonders geschulten Einsatzkräften. Zusätzlich rücken oftmals junge bzw. neue Helfer/-innen mit aus, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Alarmiert werden die Einsatzkräfte über sog. Funkmeldeempfänger (FME) die umgangssprachlich auch als Funkwecker oder „Piepser“ bezeichnet werden. Zusätzlich erfolgt eine Alarmierung per SMS. Nach einem Alarm begeben sich die diensthabenden Einsatzkräfte sofort von Zuhause zu unserer Fahrzeuggarage am Sportplatz und besetzen dort das Einsatzfahrzeug.

Ausbildung

Einsatzkräfte, die auch im HvO-Dienst arbeiten möchten, durchlaufen zunächst die einheitliche Ausbildung zur Einsatzkraft der BRK-Bereitschaften. Diese besteht aus Erste-Hilfe Kurs, Rotkreuz-Einführungsseminar, Grundausbildung Betreuungsdienst und Fachdienstausbildung Sanitätsdienst. Während der Fachdienstausbildung erfolgt auch die Schulung in Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) und dem Einsatz des Frühdefibrillator. 

Im Anschluss an die Ausbildung wird der Helfer als dritte Einsatzkraft auf dem HvO-Einsatzfahrzeug eingesetzt. Hierbei werden die Einsätze zusammen mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen absolviert. Hier wird die erlernte Theorie in der Praxis angewendet.

Zusätzliche bieten wir unseren Helfer die Möglichkeit als Praktikant auf den Rettungswagen des öffentlichen Rettungsdienstes Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig kann man die Kolleginnen und Kollegen kennenlernen, mit denen auch später im HvO-Dienst zusammengearbeitet wird. 

Regelmäßige Fort- und Weiterbildung sorgt für ein konstant hohes Qualitätsniveau.

Weiter besteht die Möglichkeit für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte sich zum Rettungsdiensthelfer und Rettungssanitäter zu qualifizieren.

Ausrüstung

Foto: Nafe BRK-Poing

Um jederzeit optimale Erst-Hilfe leisten zu können, führen wir eine umfangreiche Ausrüstung mit.

  • Notfallrucksack Erwachsene
  • Notfalltasche Kinder
  • Beatmungseinheit mit Möglichkeit zur Sauerstoffinhalation
  • Frühdefibrillator Physio Control LP1000 (Neubeschaffung 2016)
  • Mobile Absaugpumpe Fa. LSU
  • Vakuummatratze und Schaufeltrage
  • Digitaler und analoger Fahrzeugfunk
  • Digitales Handfunkgerät
  • Navigationsgerät und umfangreiches Kartenmaterial
Foto: Nafe - BRK Poing

Im Mai 2015 wurde im Bereich der integrierten Leitstelle Erding der digitale Einsatzfunk eingeführt. Der Leitstellen Bereich Erding übernahm hierbei eine Vorreiterrolle. Die Digitalfunkeinführung stellte für die unterschiedlichen Ebenen im Rettungs- und Sanitätsdienst sowie der Feuerwehr und THW eine Mammutaufgabe dar. Unter anderem mussten die Fahrzeuge und Feststationen umgerüstet werden.

Zusätzliche erfolgte eine umfangreiche Ausbildung der Einsatzkräfte. Neben einer theoretischen Onlineschulung wurden die Einsatzkräfte im praktischen Umgang mit den neuen Endgeräte geschult. Wir möchten uns an dieser Stelle recht herzlich bei unserem Kollegen Markus Herrmann bedanken, der die Ausbildung sowie die technische Betreuung ehrenamtlich mit viel Leidenschaft und Fachkompetenz erledigt.

Der Digitalfunk ist Abhörsicher und bietet eine Notruf- und Ortungsfunktion. Gleichzeitig ist die Sprachqualität besser und der Umgebungslärm wird herausgefiltert. Dies ist besonders bei Sanitätsdiensten in z.B. vollbesetzten Festzelten wichtig. 

Im Weiteren erleichtert die digitale Technik die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen sowie der Feuerwehr, dem THW und der Polizei. Die unterschiedlichen Funkteilnehmer können flexibel zusammengeschaltet werden. 

Bis die Digitalfunkumstellung flächendeckend abgeschlossen ist, nutzen wir auch unser analoges Funkgerät weiter.

Für die Kommunikation mit der Rettungsleitstelle außerhalb des Einsatzfahrzeuges steht uns zusätzliches ein digitales Handfunkgerät zur Verfügung.

Einsatzfahrzeug

Foto: Nafe - BRK Poing

Als Einsatzfahrzeug nutzen wir derzeit einen Rettungswagen auf Basis eines Volkswagen LT35 aus dem Jahr 1998. Der medizinische Ausbau wurde von der Fa. Hospimobil aus Aurich realisiert.

Den Rettungswagen konnten wir 2001 aufgrund einer großzügigen Spende fast neuwertig erwerben. Mittlerweile sind wir rund 123.000 Kilometer damit gefahren. Der Rettungswagen stellt in vielfacher Hinsicht das optimale Einsatzfahrzeug dar. Wir haben ausreichend Platz für bis zu 4 Einsatzkräfte und das benötigte Material. Gleichzeitig ist das Fahrzeug deutlich übersichtlicher als aktuelle Rettungswagen mit Kofferaufbauten.

Bei schlechten Wetterbedingungen und im Winter können wir den Patienten, bis zu seiner Übergabe an den Rettungsdienst, in einer trockenen und warmen Umgebung versorgen. Das Einsatzfahrzeug darf zudem auch von Helfern mit dem aktuellen EU-Führerschein gefahren werden ohne zusätzliche Ausbildung.

Foto: Nafe - BRK Poing

Zusätzliche ist eine Fahrtrage der Fa. Ferno zusammen mit einem pneumatischen Tragentisch verbaut. Die zusätzliche Transportkapazität kann z.B. bei einer Großschadenslage von der Einsatzleitung genutzt werden.

Neben den üblichen Schränken und Schubfächern mit Verbrauchsmaterialien sind Fächer für die Schaufeltrage und die Vakuummatratze vorhanden. Die 2 großen Sauerstoffflaschen können, ebenfalls wie das Beatmungsgerät, an entsprechenden Wandbefestigungen gesichert werden. 

Finanzierung

Weder die ehrenamtlichen Einsatzkräfte noch die Bereitschaft Poing erhält für den HvO-Dienst Geld oder Sachleistungen von den Krankenversicherungen. Auch ist der Einsatz für den Patienten kostenlos.

Den Unterhalt für die Fahrzeuggarage und das Einsatzfahrzeug übernimmt der BRK Kreisverband Ebersberg. Zusätzlich erhalten wir große Unterstützung bei Kleidung, Ausbildung, Gerätschaften sowie Verbrauchsmaterial. Im Weiteren finanzieren wir den HvO aus Spendengelder und die Gebühren für unsere Sanitätsdienste.

Auch wenn wir als Bereitschaft die notwendigen Rahmenbedingungen für den HvO-Dienst schaffen, lebt dieser Dienst ausschließlich vom Engagement der Ehrenamtlichen. Die Bereitschaft, Nachts und am Wochenende bei einem Alarm sofort auszurücken, ist unbezahlbar. Und selbst wenn die Nacht sehr einsatzreich war, beginnen die Helfer am Morgen danach wieder pünktlich an ihrem Arbeitsplatz mit dem Verdienen ihres Lebensunterhaltes.